Hintergründe für die Aktion „Stolperstein Sophie Wichmann“.
Sophie Wichmann wurde am 28. Dezember 1912 als viertes Kind der Eheleute Bernhard und Elisabeth Wichmann in Algermissen geboren. Sie wuchs in der Neuen Straße 3 auf, hatte eine unbeschwerte Kindheit, war eine sehr gute Schülerin, musikalisch sehr begabt und liebte das Klavierspielen. Mit 17 Jahren startete sie eine Ausbildung zur Köchin im Josephsstift Hannover, sie wollte nach der Ausbildung als Dienstmädchen und Haushälterin arbeiten.
Im Frühling 1933, im Alter von 20 Jahren, erkrankte sie an Gelenkrheumatismus und Grippe. Sophie konnte deshalb nicht mehr arbeiten und ihr Zustand verschlechterte sich weiter. Am 24. Juni 1933 wurde sie in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Langenhagen "eingewiesen". Am 19. Juli 1933 verlegte man sie nach Hildesheim (ehemals Sülte).
Am 8. April 1941 kam sie in die Landesheilanstalt Eichberg im Rheingau. Von dort wurde sie am 9. Mai 1941 nach Hadamar gebracht. Noch am selben Tag wurde sie im Rahmen des „T4-Programms“ ermordet.
Die Familie Wichmann erhielt nur unzureichende und teilweise falsche Informationen über ihren Gesundheitszustand. Mit der Verlegung nach Eichberg verlor sie zudem die Möglichkeit, Sophie zu besuchen. Schriftliche Anfragen wurden verspätet beantwortet. Als Todestag nannte man den 21. Juni 1941. Die zugesandte Urne wurde im Familiengrab Krone beigesetzt.
Erst Nachforschungen in der Gedenkstätte Hadamar belegten eindeutig, dass Sophie Wichmann bereits am 9. Mai 1941, dem Tag ihrer Ankunft, gestorben war. Inzwischen liegt eine korrigierte Sterbeurkunde des Standesamts Hadamar mit den richtigen Daten vor.
Wilhelm Krone versuchte zeitlebens, die Umstände des Verschwindens und Todes seiner Schwägerin zu klären. Die Patientenakten des „T4-Programms“ wurden jedoch erst 2019 durch den Deutschen Bundestag für Angehörige freigegeben. Danach konnten Tobias Krone, der Enkel von Wilhelm Krone und Großneffe von Sophie Wichmann, und seine Frau Isabell die Geschichte im Bundesarchiv sowie in Hadamar weiter aufarbeiten. Seit 2021 setzen sie sich für die Verlegung eines Stolpersteins für Sophie Wichmann ein. Ihre Tochter Anna Krone verfasste 2025 ihre Masterarbeit mit dem Titel „NS-Ideologie und kirchliche Morallehre. Zur ‚Aktion T4‘ am Beispiel der Sophie Wichmann“ und untersuchte die Ereignisse erneut wissenschaftlich.
Mit der Verlegung dieses Stolpersteins möchte die Familie Krone auch anderen Familien in Algermissen Mut machen, für ihre Angehörigen, die Opfer des NS-Regimes wurden, Stolpersteine zu initiieren.
Weitere Informationen zur „Aktion T4“ und zu den Stolpersteinen finden sich hier:
| Montag: | 08:30 - 12:00 Uhr und 14:00 - 16:00 Uhr |
| Dienstag: | Termine nur nach Vereinbarung |
| Mittwoch: | 08:30 - 12:00 Uhr |
| Donnerstag: | Termine nur nach Vereinbarung |
| Freitag: | Termine nur nach Vereinbarung |