Erinnerung an die von den Nazis ermordete Sophie Wichmann
Sophie Wichmann wurde am 9. Mai 1941 in Hadamar im Rahmen des „T4-Programms“ ermordet. Seit 1. Juni diesen Jahres erinnert ein Stolperstein an sie und ihren grausamen Tod.
Fast 100 Besucherinnen und Besucher wohnten der Verlegung des Stolpersteins in der Neuen Straße 3 bei. Hier wuchs Sophie Wichmann zunächst unbeschwert auf, erkrankte jedoch im Frühling 1933 im Alter von 20 Jahren an Gelenkrheumatismus und Grippe. Nachdem sie in mehreren sogenannten Heil- und Pflegeanstalten untergebracht war, wurde sie am 9. Mai 1941 nach Hadamar gebracht und dort noch am selben Tag im Rahmen des „T4-Programms“ ermordet. Die Familie erhielt hierüber nur unzureichende und auch falsche Informationen.
Erst nachdem die Patientenakten der im „T4-Programm“ ermordeten Menschen freigegeben wurden, konnte es Isabell und Tobias Krone gelingen, die wirklichen Umstände des Todes ihrer Verwandten zu ermitteln.
Die Familie bemühte sich seit 2021 um die Verlegung eines Stolpersteines vor dem ehemaligen Wohnhaus von Sophie Wichmann. Nun konnte er endlich verlegt werden. Der Künstler Gunter Demnig, der in ganz Europa bereits 126.000 dieser Erinnerungssteine verlegt hat, wollte auch den Stein für Sophie Wichmann selbst verlegen. Weil es ihm krankheitsbedingt leider nicht möglich war, übernahm dies dann stellvertretend sein Mitarbeiter Frank-Matthias Mann.
Die Stelle im Gehweg war vom Bauhof der Gemeinde Algermissen vorbereitet worden, so dass Frank-Matthias Mann den Betonstein mit Messingplatte im angemischten Mörtel einsetzen konnte. Die Messingtafel trägt die Aufschrift „Hier wohnte Sophie Wichmann. Jg. 1912. Seit 1933 mehrere Heilanstalten. „Verlegt“ 09.05.1941 Hadamar. Ermordet 09.05.1941, „Aktion T4“.
Bürgermeister Frank-Thomas Schmidt wies in seiner kurzen Ansprache vor Ort darauf hin, dass im Rahmen des „T4-Programms“ ca. 70.000 Menschen ermordet wurden. Insgesamt habe es in der Nazi-Zeit ca. 200.000 bis 300.000 Krankenmorde gegeben. Die Bezeichnung „T4“ steht für die Berliner Tiergartenstraße 4. Von hier aus habe das Morden begonnen.
Nach der eigentlichen Verlegung des Steines blieben die Anwesenden noch eine ganze Weile zusammen und unterhielten sich über die grausamen Taten und die damit verbundenen Schicksale. Am Abend des 1. Juni fand eine weitere, sehr gut besuchte Veranstaltung zu dem Thema im Gasthaus Weiterer statt. Hier berichtete zunächst Frau Anna Krone, die Tochter des Ehepaares Isabell und Tobias Krone, über das Schicksal ihrer ermordeten Verwandten. Anna Krone hat im Jahr 2025 ihre Masterarbeit mit dem Titel „NS-Ideologie und kirchliche Morallehre zur Aktion T4 am Beispiel der Sophie Wichmann“ verfasst und dabei die Ereignisse wissenschaftlich untersucht.
Frank-Matthias Mann berichtete anschließend über verschiedene Kunstprojekte von Gunter Demnig. 1990 verlegte er den ersten Stolperstein zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz vor dem Kölner Rathaus.
Dies geschah zunächst noch ohne Genehmigung der Behörden. Inzwischen geschieht dies jeweils in Absprache mit der Gemeinde. Mann bezeichnete die Stolpersteine als das „weltweit größte dezentrale Denkmal“. Es bringe die Menschen zusammen.
In der Veranstaltung erklärten spontan mehrere Besucherinnen und Besucher ihr Interesse daran, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.
Bürgermeister Schmidt berichtete, dass ihm weitere Namen von Personen aus der Gemeinde Algermissen bekannt seien, die in der Nazi-Zeit auf ähnliche Weise umgekommen seien. „Ich bin gern bereit, Interessierte zusammenzubringen. Sie können sich mit mir in Verbindung setzen. Wir werden ein Format finden, um die Sache weiter zu verfolgen“ erklärte er zum Ende der Veranstaltung. Hieran Interessierte können sich bei Bürgermeister Schmidt im Rathaus, telefonisch unter 05126 910010 oder per Mail an frank.schmidt@algermissen.de, melden. Ein erstes Treffen kann bereits im Juli diesen Jahres stattfinden.
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